4. Luxemburg-Tour 15.09.2019

Um 6.50 Uhr krähte der Hahn bei Vennbahnracer 2 und 4. Heute stand die Kür des gesamten Jahres an, die Fahrt bis nach Troisvierges an der luxemburgischen Grenze. Es galt, heute über 180 km zu bewältigen. Da muß der innere Schweinehund ausgetrickst werden, da muss durchgehalten werden, wenn die Beine nicht mehr wollen, wenn der Hintern in allen Farben leuchtet …

Nachdem die Tour am 7. September wegen einsetzendem Regen am Morgen kurz vor der Abfahrt abgeblasen wurde, standen die Chancen heute nicht schlecht, an einem schönen, spätsommerlichen Sonntag die Tour bestreiten zu können. Heute morgen befand sich das Thermometer im einstelligen Bereich bei ca. 9 Grad, aber das sollte sich durch die (noch starke) Sonnenstrahlung schnell ändern. 

Wir hatten die letzte Luxemburg-Tour vom 23. September 2017 noch im Hinterkopf. Da ging so ziemlich alles in die Hose, was man sich vorstellen kann. Damals hatte ich einen Plattfuß „Out of the Garage“, obwohl ich am Tag vorher die Räder noch kontrolliert hatte.

Der Start verzögerte sich damals, wir waren erst ca. 10.00 Uhr in Konzen auf den Böcken. Kurz vor der Gabelung nach Bütgenbach erwischte mich luftmässig der zweite Defekt. Und schon wieder Zeit verloren. So erreichten wir 2017 St. Vith um 12.33 Uhr schlugen in Troisvierges gegen 14.52 Uhr auf. Das war schon ziemlich spät, es war Ende September. Und wenn die Sonne weg ist, dann ist es zappenduster. Und zu dieser Zeit ist das als wenn jemand die Rolladen runterlässt oder das Licht ausknipst. 17.11 Uhr erreichten wir damals wieder St. Vith und nahmen uns Zeit, in der Lunchbox unsere gemeinsame Stärkung einzunehmen.

Der Rest ist schnell erzählt: In Küchelscheidt haben wir in der Dunkelheit unsere Jacken angezogen und die Funzeln montiert, danach ging es im Dunkeln Richtung Heimat. Gut, das wir von einem weiteren Defekt verschont blieben. Im Dunkeln das Laufrad reparieren – nee, muß nicht sein. 

So aber nicht in diesem Jahr: Ziemlich pünktlich pedalierten wir von Konzen los (9.15 Uhr) und hatten uns vorgenommen, so schnell wie möglich St. Vith zu erreichen. Vor Sourbrodt fuhren wir durch die berühmt berüchtigte kalte Luftschicht aber danach ging es von 9,5 Grad auf 15 Grad in St. Vith rauf, wo wir 11.21 Uhr strandeten. Schnell Müsliriegel und ein Brot eingeworfen – weiter ging es. Schon jetzt war klar, das wir einen äußerst schönen Tag erwischt hatten: Der Stern brannte richtig, es ging bis auf 25 Grad im Laufe des Tages rauf und es war richtig schönes Radsportwetter. Es ging durch den Wald auf asphaltierten Wegen bis nach Hemmeres. Dieser Ort liegt in Deutschland, schrappt quasi an der Grenze zu Belgien. Was uns aufgefallen war: Vor Hemmeres war eine neue Teerschicht aufgetragen worden, vorher war dieser Asphalt grober gewesen. Des weiteren waren wir vor Hemmeres in 2017 schon auf Schotterwegen gefahren, diese waren aber jetzt asphaltiert. Schon kurz hinter St. Vith fiel uns der absolut frische Teerbelag auf, der nur Tage alt sein konnte. „Die werden doch nicht noch mehr geteert haben …?“ war die Frage, die uns vor der Foto- und Filmsession an der Kapelle umtrieb. 

Hinter der Kapelle geht der Ravelweg rechts ab, und dort erwartete uns (leider) der uns bekannte Schotterweg, der zur Krönung von Kühen noch zugeschissen  war. 

So schotterten wir über den Weg, aber nach ca. einem 1 Kilometer trauten wir unseren Augen nicht: Feinster Bitumenbelag, so wie wir uns das immer gewünscht haben. Und so ging es weiter – an Burg Reuland vorbei durch das Waldstück, wo wir in 2017 noch über einen Feldweg gebrettert sind. Und wir kamen an der luxemburgischen Grenze über geteerte Wege an. Klasse! Einfach nur erstaunlich, wie konsequent die Belgier beim Ausbau der Ravelroute sind. 

Zum Vergleich: In 2014 sind wir um die 32 Kilometer Schotterweg gefahren, jetzt waren es nur noch ca. 2 Kilometer. Damals war auch das Stück von Steinbach (bei Waimes) bis nach St. Vith noch nicht geteert, das machte schon 17 Kilometer aus.

Und noch etwas, was ich vorher nie beachtet hatte: Ab Hemmeres sind ca. 470 Höhenmeter zu bewältigen, d.h. es geht stetig bergauf. Kurz vor der luxemburgischen Grenze kommen zwei brutale kurze Anstiege (um die 12 Prozent), dann hat man das Ziel erreicht: 13.24 Uhr blickten wir auf den Bahnhof.

Wir haben uns am Bahnhof in Troisvierges einen Happen eingeworfen und haben uns wie die Jahre zuvor gefragt: Fährt überhaupt von hier ein Zug geschweige Leute ab oder an? Keine Menschenseele zu sehen, die Uhren gehen funkgenau, die Durchsagen sind (geprüft) aktuell, aber man sieht niemanden, der auf einen Zug wartet. Und fahrende Züge haben wir hier auch nicht gesehen. 

Und jetzt kommt Vennbahnracer 1, der Fuchs ins Spiel: Er wusste genau, wie wir auf dem Rückweg die Steigungen umfahren. So passierten wir auch wieder die Kapelle von Goedange, die leider eingerüstet kein optimales Fotomotiv lieferte. 

Die 470 Höhenmeter fuhren wir dann bis nach Hemmeres wieder nach unten. Taten uns in den Jahren zuvor die Arme vom Festhalten des Lenkers weh, so ging es nun auf feinstem Teer ins Tal.

Danach ging es Richtung St. Vith wieder aufwärts, Pumpen war angesagt. Zwar stetig mit kleinen bissigen Anstiegen, aber die ca. 120 km in den Beinen machen sich langsam aber sicher bemerkbar. So standen wir ca. 16.15 Uhr vor der „Lunchbox“ in St. Vith, wo wir uns Nudeln reingepfiffen haben. 

Eine halbe Stunde später waren wir wieder „on the Road“, 60 Kilometer sollten noch bezwungen werden. 

Um es kurz zu machen: In Konzen schlugen wir ca. 19.30 Uhr auf, es war noch hell. 

Als Fazit bleibt festzuhalten: Geniale Tour, alles hat gepasst, keine Pannen, kein Sturz, gute Laune und 180 Kilometer am Ende des Tages in den Beinen. Allen teilnehmenden Racern gebührt mein höchster Dank für diese schöne Tour. 

Übrigens: Der nette Herr in dem roten Trikot und dem gelben Renner auf den ersten beiden Bildern ist ein alter Bekannter von Vennbahnracer 2. Wäre er mitgefahren, wären wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mindestens 30 km/h gefahren 😉 …

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